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Selbstwert in der Warteschleife? Junge Erwachsene zwischen Langzeitarbeitslosigkeit und Neubeginn

Podcast-Folge #069 online

In der neuen Folge spricht Gertrud Klapfenberger-Oettl, Fallmanagerin am Jobcenter Traunstein, darüber, wie junge Menschen mit komplexen Lebenssituationen wieder Vertrauen in sich selbst und ihre Zukunft entwickeln können.

Viele junge Erwachsene kommen nicht freiwillig in die Beratung. Sie haben die Schule abgebrochen, keine Ausbildung begonnen oder bereits mehrere Versuche hinter sich. Nach außen wirkt ihr Verhalten manchmal gleichgültig: Termine werden nicht wahrgenommen, Vereinbarungen nicht umgesetzt und Zukunftspläne fehlen.

Doch ein genauerer Blick zeigt häufig etwas anderes. Angst, fehlendes Selbstvertrauen, depressive Verstimmungen, Probleme im Elternhaus oder finanzielle Sorgen können dazu führen, dass Menschen sich zurückziehen. Wenn der Alltag über längere Zeit nur noch aus Vermeidung besteht, geraten Tagesstruktur, soziale Kontakte und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zunehmend verloren.

Vertrauen ist der erste Schritt

Bevor Ausbildung oder Arbeit in den Mittelpunkt rücken können, braucht es oft eine tragfähige Beziehung. Im beschäftigungsorientierten Fallmanagement geht es deshalb zunächst darum, die persönliche Situation zu verstehen und gemeinsam realistische Ziele zu entwickeln.

Wertschätzung und Gespräche auf Augenhöhe sind dabei entscheidend. Jeder Mensch hat Gründe dafür, warum sein bisheriger Weg schwierig war. Diese Gründe zu erkennen, bedeutet nicht, Verantwortung abzunehmen. Es schafft aber die Voraussetzung dafür, Scham abzubauen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.

„Jeder Mensch hat einen wichtigen Grund, warum er heute so ist, wie er ist“, sagt Gertrud Klapfenberger-Oettl. Diese Haltung bedeutet nicht, Probleme zu entschuldigen. Sie hilft jedoch dabei, die Ursachen zu verstehen und gemeinsam realistische nächste Schritte zu entwickeln.

Kleine Schritte statt große Erwartungen

Veränderung entsteht selten von heute auf morgen. Wer lange belastet, isoliert oder überfordert war, braucht ein Tempo, das zur eigenen Situation passt. Ein erstes Gespräch bei einer Beratungsstelle, ein Arzttermin, Unterstützung bei der Wohn- oder Finanzsituation oder eine feste Tagesstruktur können bereits wichtige Fortschritte sein.

Bei psychischen Belastungen kann zudem therapeutische Hilfe sinnvoll und notwendig sein. Ambulante Unterstützung oder ein stationärer Aufenthalt können helfen, Stabilität zurückzugewinnen und die nächsten Schritte in Richtung Alltag, Ausbildung oder Beruf überhaupt erst möglich zu machen.

Fördern und fordern gehören zusammen

Begleitung bedeutet nicht, alle Schwierigkeiten für andere zu lösen. Veränderung braucht auch die Bereitschaft, Unterstützung anzunehmen und selbst aktiv zu werden. Gleichzeitig braucht sie Geduld: Rückschritte gehören zu vielen Entwicklungsprozessen dazu.

Nachhaltige berufliche Teilhabe gelingt eher, wenn zuerst die persönlichen Belastungen gesehen und passende Hilfen angeboten werden. Wer wieder Vertrauen in sich selbst fasst, kann neue Perspektiven entwickeln – und Schritt für Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben finden.

#069

Selbstwert in der Warteschleife? Junge Erwachsene zwischen Langzeitarbeitslosigkeit und Neubeginn

 

 

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Mehr Informationen

In dieser Folge von Berg & See:le spricht Getrud Klapfenberger-Öttl – Fallmanagerin DGCC im Jobcenter Traunstein – darüber, wie sich Langzeitarbeitslosigkeit bei jungen Erwachsenen auf Selbstwert und Selbstwirksamkeit auswirkt, welche Rolle gesellschaftliche Stigmatisierung dabei spielt und wie psychische Belastung sich im Alltag zeigt – von Rückzug bis Scham. Sie gibt Einblick in Angebote des Jobcenters und erklärt, wann zusätzliche psychosomatische oder therapeutische Unterstützung sinnvoll ist, damit junge Menschen wieder Vertrauen in sich selbst fassen.