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Podcast-Folge #060 online

Medien und Psyche – Mediensucht erkennen, verstehen und gegensteuern

In der 60. Folge unseres Podcast  ‚Berg & See:le‘ sprechen wir mit Benjamin Grünbichler, Geschäftsführer von NEON Rosenheim, über Mediensucht vom Kindes- bis ins junge Erwachsenenalter.

Fakt ist: Digitale Medien gehören für Kinder und Jugendliche einfach dazu – ebenfalls eine häufig sehr frühe Ausstattung mit dem eigenen Smartphone. Aber wo ist die Grenze zwischen kontrolliertem Umgang, exzessiver Mediennutzung und Mediensucht? Welche Gefahren birgt die Nutzung von Social Media- sowie Gaming-Plattformen & Co. für die psychische Gesundheit? Wo sind Eltern und Angehörige in der Pflicht – und was hilft im Alltag?

 

Exzessive Nutzung oder Sucht? Wichtige Anzeichen

Nicht jede lange Bildschirmzeit bedeutet Mediensucht. Kritisch wird es, wenn bestimmte Indikatoren zusammenkommen:

  • Zwanghaftes Verhalten: Die Nutzung wirkt innerlich getrieben – das Kind „muss“ spielen, scrollen oder online sein und kann kaum abschalten.
  • Verheimlichen & Lügen: Nutzungszeiten werden heruntergespielt, nachts wird heimlich weitergespielt, das soziale Umfeld wird bewusst getäuscht.
  • Leistungsverlust / keine Hobbies: Schulische Leistungen rutschen ab, Kinder haben keinen Antrieb für andere Hobbies als ihr Smartphone.
  • Mangelnde soziale Kontakte: Viele digitale Angebote finden zwar in einem virtuellen „sozialen Raum“ statt, führen aber nicht automatisch zu echten Verbindungen. Auf Social Media wird in erster Linie das Leben anderer passiv konsumiert.

Wenn Mediennutzung das Familienleben kippt

In Familien wird das Thema Mediennutzung häufig zu einem großen Streitthema, das bei allen Beteiligten hohen Stress erzeugt. Viele Eltern fühlen sich ohnmächtig, weil sie nicht mehr in das Nutzungsverhalten ihrer Kinder eingreifen können und Kinder Drohungen aussprechen. Es kommt zu einer Art Hierarchieverschiebung, in der Kinder bestimmen, wann und wie lange gespielt wird, ihre Eltern unter Druck setzen, bei Verboten mit verbaler oder körperlicher Gewalt sowie mit Rückzug reagieren.

Risiken einer zu frühen und unkontrollierten Nutzung

Studien zeigen: Kinder sind in der Regel vor ca. 16 Jahren noch nicht medienmündig. Das heißt:

  • Sie können viele Inhalte nicht altersgerecht einordnen.
  • Manipulative Mechanismen (z.B. in Games oder sozialen Netzwerken) werden nicht durchschaut.
  • Cybergrooming und andere übergriffige Erfahrungen können tiefe seelische Schäden hinterlassen.

Umso wichtiger sind klare Regeln in der Medienerziehung und eine bewusste Begleitung durch die Eltern – dadurch kann einer exzessiven Nutzung präventiv und erfolgreich entgegengewirkt werden.

Konkrete Maßnahmen können sein: 

  • Keine Geräte im Kinderzimmer
  • Ausstattung mit Smartphone & Co. so spät wie möglich
  • Klare Regeln zu Dauer, Inhalten und Funktionen
  • Vertrauensvoller Austausch, in dem Kinder keine Sorge über ein Verbot haben müssen, wenn sie ihren Eltern kritische Inhalte ehrlich mitteilen
  • Vorbild-Funktion: Bewusste Offline-Zeiten, gemeinsame handyfreie Mahlzeiten oder abendliche „Handyparkplätze“ sind starke Signale

Psychosomatische Folgen von Mediensucht:

Aus unserer täglichen Arbeit mit unseren Patienten wissen wir, dass Mediensucht psychische Erkrankungen fördern und beeinflussen kann:

  • Schlafstörungen und Erschöpfung: Ständiges Scrollen und nächtliches Spielen kann zu Schlafproblemen und dauerhafter Müdigkeit führen.
  • Innere Unruhe und Reizbarkeit: Ständige Reize und permanenter Vergleich überfordern das Nervensystem. Viele Betroffene fühlen sich „dauerhaft unter Strom“, reagieren gereizt oder aggressiv, können aber zugleich schwer abschalten.
  • Depressive Verstimmung und Angst: Leistungsdruck, Rückzug aus realen Kontakten, Cybermobbing und permanenter Vergleich können zu Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, sozialer Angst und einem brüchigen Selbstwert führen.
  • Rückzug und soziale Isolation: Wenn sich das Leben fast nur noch online abspielt, schrumpfen reale Erfahrungen, Freundschaften und Erfolgserlebnisse. Die kann das Gefühl von Leere und seelische Krisen verstärken.

#060

Medien und Psyche – Mediensucht erkennen, verstehen und gegensteuern

 

 

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Mehr Informationen

Wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich noch normal – und wann wird Mediennutzung zum Risiko? In dieser Folge sprechen wir mit Herr Grünbichler, Geschäftsführer von NEON Rosenheim, über den digitalen Alltag junger Menschen zwischen Social Media, Gaming und Streaming. Wir beleuchten, wie sich exzessiver Medienkonsum auf Psyche, soziale Kompetenzen und Selbstbild auswirken kann – und woran Betroffene erste Warnsignale erkennen. Außerdem zeigen wir, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und wie Präventionsarbeit heute helfen kann, Medienkompetenz nachhaltig zu stärken.