Podcast-Folge #059 online
Musiktherapie: Mit Klängen und Gesang Zugang zu sich selbst finden, sich spüren und entspannen
In der neuen Ausgabe unseres Podcast „Berg & See:le“ sprechen wir mit Silke Katzenbach, Musiktherapeutin in der Klinik ChiemseeWinkel, darüber, wie Musiktherapie Menschen in seelischen Krisen unterstützen kann – ganz ohne musikalische Vorerfahrung.
In der Musiktherapie gibt es kein „richtig oder falsch“, keine Wertung, keinen Druck, den richtigen Ton zu treffen. „An der Tür zu unserem Musiktherapieraum hängt ein Schild mit dem Spruch: Ich kann dreistimmig singen – laut, schief und mit Begeisterung“, erklärt Silke Katzenbach. Die Patienten dürfen ausprobieren, mutig sein und im Hier und jetzt ankommen – genau so, wie sie sind. Ziel ist es, dass sich die Patienten wieder spüren. Der große Vorteil der Musiktherapie liegt laut Katzenbach auch darin, dass jeder Mensch Zugang zur Musik habe und damit was anfangen könne.
Wie Musiktherapie wirkt
Grundsätzlich gibt es zwei Varianten, die eingesetzt werden:
Aktive Musiktherapie: Die Patienten musizieren selbst – zum Beispiel mit einfachen Instrumenten, der eigenen Stimme, Rhythmen oder Improvisationen. Es geht nicht um Können, sondern darum, auszuprobieren und in Kontakt mit eigenen Impulsen zu kommen und das Selbstbewusstsein zu stärken.
Rezeptive Musiktherapie: Hier stehen Hören und Entspannung im Vordergrund. Musik wirkt direkt auf das Nervensystem und hat eine entschleunigende Wirkung, die zugleich Sicherheit und Wohlbefinden fördern kann.
Zugleich kann Musik dabei helfen, wieder Zugang zu sich und den eigenen Gefühlen zu finden. Viele Patienten erleben im Rahmen ihrer Erkrankung, dass Worte allein nicht mehr ausreichen oder sogar fehlen. Musik kann dann zu einer anderen Form von Sprache werden. Über Klänge, Rhythmen und Gesang lassen sich Gefühle ausdrücken.
Musik als Strategie gegen Angst und Unsicherheit
Aus gehirnphysiologischer Sicht ist noch etwas Besonderes spannend: Musizieren und z.B. starke Angst sprechen unterschiedliche Gehirnareale an. So kann aktives Musizieren dabei helfen, Angst und Unsicherheit für einen Moment zur Seite treten zu lassen und innerlich Abstand zu gewinnen.