Podcast-Folge #054 online
Jugendkompass: Die Basis für die Therapeutische Arbeit mit jungen Erwachsenen in der Klinik ChiemseeWinkel
Orientierung finden, wenn alles offensteht
Unzählige Möglichkeiten – und trotzdem keine Richtung. Viele junge Menschen wissen heute – insbesondere beim Übergang von der Schule ins Berufsleben – nicht, welche Fähigkeiten sie besitzen oder wohin ihr Leben gehen soll. Fehlende Orientierung ist dabei nicht nur belastend, sondern spielt eine zentrale Rolle für die Stärkung mentaler Gesundheit sowie die Bewältigung psychischer Krankheiten.
Genau darum geht es in unserer aktuellsten Podcast-Ausgabe mit Dr. Caroline Göhre, Chefärztin der Klinik ChiemseeWinkel. Sie spricht mit Host Markus Sturm über die Auswirkungen zu vieler Freiheiten sowie das Orientierungsprogramm Jugend-Kompass.
Wo-bin-ich-und-wo-will-ich-hin-Kompetenz
Überforderung und Perspektivlosigkeit zeigen sich oft nicht nur seelisch z.B. durch Unsicherheit und Rückzug, sondern auch körperlich: Angst- und Panikstörungen, Prüfungsblockaden, chronischer Stress sowie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen sind typische Folgen. Studien zeigen: Ohne Orientierung wird auch Genesung schwieriger.
Zu diesem Ergebnis kam auch Dr. Göhre im Rahmen ihrer Doktorarbeit.
Für ihre Promotion führte die Chefärztin ein Studie mit 208 Patienten in einer psychosomatischen Klinik durch, die auf zwei Gruppen aufgeteilt wurde. Gruppe 1 erhielt die reguläre Therapie, Gruppe 2 bearbeitete mit einem umfangreichen Orientierungsprogramm zusätzlich existenzielle Fragen.
Das Ergebnis war eindeutig: Die Patienten aus Gruppe 2 fühlten sich deutlich weniger belastet, weil sie durch das Zusatzprogramm neue Perspektiven und Ziele entwickelt hatten. Orientierung ist zwar nicht das Heilmittel zur Genesung, aber ebnet den Weg zur Bewältigung psychosomatischer Überlastungen (=Anreiz).
Aus der Studie für eine Doktorarbeit hat sich das fundierte Orientierungsprogramm Jugend-Kompass (JuKo) entwickelt. Es bildet die „DNA“ unserer künftigen stationären therapeutischen Arbeit mit jungen Erwachsenen im Alter von 18 – 28 Jahren.