Tiergestützte Therapie
Die tiergestützte Therapie nutzt die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier, um emotionale Prozesse anzuregen und Heilung zu fördern.
Tiere reagieren spontan und feinfühlig, schaffen Vertrauen und erleichtern den Zugang zu den eigenen Gefühlen – besonders bei psychosomatischen Erkrankungen wie Angstzuständen, Depressionen oder Erschöpfungszuständen.
In der Klinik ChiemseeWinkel wird die tiergestützte Therapie ausschließlich mit Hunden und mit einem perfekt eingespielten Team durchgeführt: unserer leitenden Psychologin Carmen Hainzlschmid und Fynia. Die Samojeden-Hündin wurde von Frau Hainzlschmid selbst zum Therapiehund ausgebildet und ist bei unseren Patienten sehr beliebt.
Das Besondere an der Therapie mit Tieren
„Tiere helfen dabei, Vertrauen, Nähe und Selbstwert neu zu erleben. Hunde reagieren unglaublich feinfühlig auf Emotionen. Sie spüren Traurigkeit, Unsicherheit oder Angst – manchmal, bevor der Mensch es selbst merkt.“
Carmen Hainzlschmid, leitende Psychologin
Tiergestützte Therapie I Häufige Fragen
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Was ist tiergestützte Therapie?
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Die tiergestützte Therapie ist eine professionell begleitete und zielgerichtete therapeutische Intervention, bei der speziell ausgebildete Tiere (bei uns Therapiehunde) in den Behandlungsprozess einbezogen werden. In den von einem Therapeuten angeleiteten Übungen dient das Tier als Co-Therapeut, der Lern- und Entwicklungsprozesse anstößt. Es ist eine anerkannte Methode, um psychische und emotionale Prozesse zu unterstützen und die Motivation und das Selbstvertrauen bei verschiedenen Krankheitsbildern zu fördern.
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Woher kommt tiergestützte Therapie?
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Der Therapieansatz reicht bis ins 20. Jahrhundert zurück. Ursprünglich entwickelte sich die tiergestützte Therapie vor allem mit Pferden, um Beziehungs- und Führungserfahrungen therapeutisch zu nutzen. Heute werden neben Hunden und Pferden auch Alpakas, Lamas, Esel oder Hühner in therapeutischen Settings eingesetzt. Hunde haben in der Klinik einen entscheidenden Vorteil: Sie sind mobil, anpassungsfähig und lassen sich direkt in die Therapie integrieren.
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Was unterscheidet einen Therapiehund wie Fynja von einem „normalen“ Hund?
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Ein Therapiehund wird über mehrere Jahre gezielt darauf vorbereitet, Menschen in schwierigen Phasen professionell zu begleiten. In dieser Ausbildung lernt er, stets ruhig und achtsam zu bleiben und sensibel auf die Stimmungen von Menschen zu reagieren, um therapeutische Prozesse bestmöglich zu unterstützen.
Die entscheidende Voraussetzung für diesen sicheren Einsatz ist das tiefe Verständnis und die enge Bindung zwischen dem Hund und seiner therapeutischen Bezugsperson. Denn auch Tiere müssen sich Pausen nehmen, wenn die Konzentration oder Empathie nachlässt. Für viele unserer Patienten, die oft bis zur völligen Erschöpfung über ihre eigenen Grenzen gegangen sind, ist dieses Verhalten des Therapiehundes ein einfacher, aber tiefgreifender Denkanstoß für mehr Selbstfürsorge.
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Bei welchen psychosomatischen Krankheitsbildern wird ein Therapiehund eingesetzt?
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Der Einsatz eines Therapiehundes wird immer individuell auf die Symptomatik und die Therapieziele des Patienten abgestimmt. Der Hund dient als „Co-Therapeut“, um gezielt an spezifischen Themen zu arbeiten. Hier einige Beispiele:
- Bei Angststörungen kann allein die ruhige Anwesenheit eines Hundes helfen, das überreizte Nervensystem zu regulieren. Gezielte Übungen, wie die schrittweise Annäherung, ermöglichen es, in einem sicheren Rahmen Vertrauen aufzubauen und die Erfahrung zu machen, dass die Angst kontrollierbar ist.
- Bei Depressionen wirkt der Hund oft als sanfter Motivator, um Antriebslosigkeit und sozialen Rückzug zu durchbrechen. Die non-verbale Aufforderung zum Spiel oder zu einem Spaziergang kann ein erster Schritt zur Aktivierung sein. Das Erlernen eines kleinen Tricks mit dem Hund schafft zudem wichtige Erlebnisse von Selbstwirksamkeit und Freude und ist ein kleines Erfolgserlebnis
- Bei Burnout und Störungen des Selbstwerts dient der Hund als ehrlicher Spiegel. Eine typische Intervention ist das Setzen von Grenzen – zum Beispiel bestimmt der Patient, wann eine Streicheleinheit beginnt und endet. Dies ist ein sehr wirksames Training für die Selbstbehauptung und die Fähigkeit, auch im Alltag gesunde Grenzen zu ziehen.
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Wie wirkt die Therapie mit Tieren auf die Psyche?
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Die Wirkung ist vielfältig und tiefgreifend. Tiere wirken auf uns auf einer sehr ursprünglichen, non-verbalen Ebene:
- Sie spenden Trost und bauen Stress ab: Die körperliche Nähe und Wärme eines Tieres wirkt nachweislich beruhigend, senkt den Blutdruck und setzt das „Bindungshormon“ Oxytocin frei.
- Sie spiegeln unser Verhalten: Tiere reagieren unmittelbar und ehrlich auf unsere Körpersprache und Stimmung. Dieses direkte Feedback hilft uns, uns selbst besser wahrzunehmen und unsere Wirkung auf andere zu verstehen.
- Sie fördern den Zugang zu Gefühlen: Die Interaktion mit dem Tier kann verschüttete Emotionen wecken und hilft dabei, wieder in Kontakt mit der eigenen Gefühlswelt zu kommen.
- Sie schenken bedingungslose Akzeptanz: Einem Tier ist unser Aussehen, unser Beruf oder unser Status egal. Diese wertfreie Annahme stärkt das Selbstwertgefühl und das Gefühl, „genau richtig“ zu sein.
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Was ist, wenn ich Angst vor Hunden habe?
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Diese Frage ist sehr wichtig und absolut berechtigt. Die kurze Antwort lautet: Ja, Sie können teilnehmen, und es ist oft sogar besonders wertvoll.
Ihre Angst wird vollkommen ernst genommen. Die Teilnahme ist immer freiwillig und unser oberstes Gebot ist Ihr Gefühl der Sicherheit. Unsere Therapiehunde sind speziell für diese Arbeit ausgebildet, von ruhigem Gemüt und im Umgang mit unsicheren Menschen sehr erfahren.
Unsere Therapeuten sind jederzeit an Ihrer Seite und sorgen für einen geschützten Rahmen. Sie allein bestimmen das Tempo und die Distanz. Manchmal ist der erste therapeutische Schritt schon, den Hund nur aus sicherer Entfernung zu beobachten und die eigenen Reaktionen wahrzunehmen. Ihre Angst kann so selbst zum Thema der Therapie werden, wobei Sie in einem sicheren Umfeld eine neue, positive Erfahrung machen können – ohne jeden Zwang.