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"Was ist Psychosomatik?"

Psychotherapie gehört zu den wirksamsten Therapieformen in der Medizin. In den letzten 10-15 Jahren haben unter anderem Kenntnisse der modernen Neurobiologie unser Wissen über psychische Störungen und therapeutische Möglichkeiten erheblich vertieft. Neue empirisch gut gesicherte störungsspezifische Leitlinien wurden entwickelt und werden bei uns individuell umgesetzt.


Depression - die unterschätzte Krankheit

  • Depression ist eine der häufigsten Volkskrankheiten und die häufigste psychische Störung
  • Jeder sechste Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens einmal an einer Depression

  • Frauen leiden doppelt so häufig an Depressionen wie Männer

  • Depression ist ein eigenständiger Risikofaktor für das Auftreten körperlicher Erkrankungen wie Koronare Herzerkrankung

  • Wenn bereits körperliche Erkrankungen wie Diabetes, Herzinfarkt, entzündliche Darmerkrankungen oder andere bestehen, verschlechtert eine zusätzlich auftretende Depression Prognose und Krankheitsverlauf

Symptome der Depression

Die Symptomatik der Depression ist äußerst vielschichtig, es bestehen aber immer Symptome aus folgenden Bereichen:

A) Gefühle
Niedergeschlagenheit, Gefühl der Gefühllosigkeit, Gereiztheit

B) Verändertes Selbsterleben
Selbstentwertung und Anklage, Selbstunsicherheit, keine Selbstfürsorge, kein Selbstvertrauen

C) Motivation und Antrieb
Antriebshemmung, keine Willenskraft, Verlangsamung, Sozialer Rückzug

D) Kognitive Störungen
Es bestehen typischerweise Einschränkungen von Merkfähigkeit (vor allem Kurzzeitgedächtnis), Konzentration, Durchhaltevermögen und Entschlussfreudigkeit. Diese depressiven Symptome haben nichts mit hirnorganischen Erkrankungen wie Alzheimer zu tun, sie bessern sich deutlich, wenn die Depression gezielt behandelt wird und verschwindet.

E) Körperliche Symptome
Im Zusammenhang mit einer Depression kann eine Vielzahl körperlicher Symptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung, Schmerzen oder Sexualstörungen auftreten.

F) Komorbitität
Depressionen können im Zusammenhang mit anderen körperlichen oder psychischen Erkrankungen wie Ängsten, Zwängen, Burnout, Somatisierungsstörungen entstehen und stehen meist mit dem Lebensgefühl „ich bekomme die Störung nicht in den Griff“ im Zusammenhang.

Wie entsteht eine Depression?

Depression betrifft immer den ganzen Menschen, d.h. das Denken, Fühlen und Erleben, Verhalten und die Körperwahrnehmung.

Immer spielen Grunderfahrungen von Ohnmacht und Hilflosigkeit, Ängste, eine Selbstwertproblematik sowie ungünstige Formen der Beziehungsgestaltung eine Rolle. Neben genetischen und biologischen sind vor allem neurobiologische Konzepte hilfreich, um die Komplexität, aber auch die Hartnäckigkeit depressiver Symptome besser zu verstehen.

Therapie der Depression

Für jeden Patienten wird ein individueller Therapieplan erstellt. Hierbei hat es sich sehr bewährt, wirksame Therapie-Elemente aus verschiedenen therapeutischen Schulen zu kombinieren. Neben tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutischen, hypnotherapeutisch-systemischen und achtsamkeitsbasierten Therapieverfahren kommen bei uns auch Therapie-Elemente aus dem SPASS®-Depressions-Behandlungskonzept von Dr. Birgit Hofbauer sowie der Body-2-Brain-Therapie von Dr. Claudia Croos-Müller zur Anwendung.  

 

Verhaltenstherapeutische Therapiebausteine sind:

  •  Begrenzung des Rückzugs- und Vermeidungsverhaltens
  • Veränderung des Erlebens von erlernter Hilflosigkeit
  • Bearbeitung dysfunktionaler depressiver Kognitionen

Tiefenpsychologische Therapie-Inhalte betreffen vor allem eine Veränderung des Selbst- und Selbstwerterlebens sowie eine neue Balance zwischen den Polaritäten von Autonomie und Selbstentfaltung sowie Bindung und Altruismus.

Viele depressive Patienten profitieren von traumatherapeutischer Bearbeitung von Lebensereignissen, die häufig um die Themen Demütigung, Beschämung, Vernachlässigung kreisen.

Bei Ego-State-zentrierten Ansätzen geht es um einen neuen wertschätzenden Dialog mit dem „inneren Kritiker“ sowie vor allem um das Versorgen von ungesehenen, vernachlässigten, verletzten Selbstanteilen („inneren Kindern“).

Aus familientherapeutisch-systemischer Perspektive geht es um ein Verstehen der Depression in der Mehr-Generationen-Perspektive sowie eine Veränderung von oft jahrzehntelang bestehenden „Minusbilanzen des Lebens“.

Alle unsere Patienten profitieren von Sport- und Bewegungstherapie, gerade in der Gruppe ist es leichter, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und wieder Freude an Bewegung zu finden.

Ohne Ressourcen-Aktivierung und Veränderung des Selbsterlebens ist keine anhaltende Besserung zu erreichen. Hierfür sind achtsamkeitsbasierte Therapieangebote besonders wichtig und hilfreich. Als therapeutisches Team sind wir immer wieder beeindruckt, welche Veränderungsschritte unsere depressiven Patienten in durchschnittlich sechs Behandlungswochen erreichen. Zur Aufrechterhaltung der Therapiefortschritte und zur Prävention von Rückfällen vermitteln wir unsere Patienten meistens in eine ambulante Nachbehandlung.


Burnout - welche neue Perspektiven gibt es in der Behandlung?

Burnout als Stresserkrankung

Psychische Erkrankungen werden häufiger. Neben klassischen psychosomatischen Störungen wie Depressionen, Ängsten oder Zwängen leiden viele Patienten auch an der Stresserkrankung Burnout.

Burnout und seine Anzeichen

Dieses Beschwerdebild beinhaltet eine Vielzahl psychosomatischer Störungsbilder wie Schlafstörungen, chronische Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden etc. und geht mit einer im Alltag nicht mehr ausreichend beeinflussbaren, schweren körperlichen und seelischen Erschöpfung einher.

Burnout und Arbeitsplatz

Eine arbeitsplatzbezogene Überforderung hat sich meist über Jahre entwickelt. Chronisch überlastete Stresssysteme führen zu Schlafstörungen oder diversen körperlichen Beschwerden als Ausdruck einer Störung des vegetativen Nervensystems.

Individuelle Faktoren wie ausgeprägter Perfektionismus, ein ungünstiger Umgang mit Stress oder als unlösbar erlebte private oder berufliche Konflikte spielen zusätzlich eine bedeutsame Rolle. An der Entstehung eines Burnout Syndroms sind aber meist auch organisatorisch-strukturelle Störungen am Arbeitsplatz beteiligt wie fehlende Anerkennung durch Kollegen oder Vorgesetzte, mangelnde Transparenz und Kommunikation, z.B. bei Fusionen sowie autoritäre oder ungerechte Führungsstile.

Burnout-Therapie - neurobiologisch fundierte psychosomatische Therapie

Die moderne Hirnforschung versteht das Burnout Syndrom als Stresserkrankung, deshalb reichen Entspannungsverfahren, besseres Zeit-Management oder verbesserte Ernährung in fortgeschrittenen Fällen nicht mehr aus.

Für eine erfolgreiche Behandlung des Burnout Syndrom ist es notwendig, die Entstehungsbedingungen der Erkrankungen im persönlichen, sowie im individuellen und strukturellen arbeitsplatzbezogenen Bereich genau zu analysieren und individuelle Lösungsstrategien zu entwickeln. Um über Jahre im Gehirn fixierte Bewältigungsmuster zu verändern, reichen rationale Erkenntnisse nicht aus.

Im stationären Rahmen können besonders gut verschiedene Impulse erfolgen, um fixierte Muster aufzulösen und Entwicklungsspielräume für neues Denken, Fühlen und Verhalten zu ermöglichen und erlebbar zu machen. Zum Teil verschüttete, persönliche Ressourcen, wie soziale Beziehungen, Hobbies, Fähigkeiten, Interessen und Stärken sollen gezielt wieder aktiviert werden. Eine individuelle und abgewogene Kombination von Einzel-, Gruppengesprächen, emotionsaktivierenden Kreativtherapien sowie Körpertherapien und meditativen Verfahren wie Achtsamkeitstraining unterstützen die innere Umorientierung.


Wie verstehen wir psychosomatische Störungen?

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit der Wechselwirkung zwischen Körper einerseits, Gefühlen, Vorstellungen und Verhaltensweisen und menschlichen Beziehungen andererseits.

Wir vertreten einen integrativen Ansatz auf tiefenpsychologisch/psychodynamischer Grundlage, d.h. wir ergänzen ein tiefenpsychologisches Verstehen von Problem und Individuum auf dem Hintergrund der Lebensgeschichte, um verhaltenstherapeutische Problembewältigungsstrategien, erlebniszentrierte Verfahren und eine Aktivierung von Ressourcen, die wir vor allem als Beziehungsressourcen verstehen.

Psychosomatische Krankheiten entstehen, wenn diese Wechselwirkungen gestört sind und/oder von den Betroffenen nicht verstanden werden.

Eine Besonderheit der stationären psychosomatischen Behandlung besteht darin, dass die Therapie von Ihnen als Patient Ihre aktive Mitarbeit erfordert.

Patient bedeutet im Lateinischen "an etwas leiden". So blockiert eine Depression den Zugang zur inneren Lebendigkeit, aber auch dem Bezug zu anderen. Ängste und Zwänge verhindern regelmäßig Lebensfreude, soziale Teilhabe oder die Entfaltung eigener Potenziale. Burnout verhindert Kreativität und die Möglichkeit der aktiven Gestaltung nicht nur im Arbeitsleben? 

Da wir Psychotherapie als "Heilen durch Beziehung" verstehen, holen wir unsere Patienten bei dem, worunter sie leiden, ab. Gleichzeitig versuchen wir gemeinsam zu erarbeiten, zu welchen Lebens- und Entwicklungsaufgaben Krankheit oder Krise herausfordern.

"Verstehe dich selbst besser und verhalte dich günstiger."